
Heinz Unke
Heinz Unke - Vita
Er ist am 13.08.1961 geboren. Seine Herkunft ist deutsch. Sie wurzelt im sozialistisch geprägten Wirtschaftssystem. Das befand sich zu dieser Zeit auf dem Territorium der russischen Besatzungszone. Dieser Teil der Welt verabschiedete sich an jenem Tag von der Freiheit. Es mauerte sich selbstständig ein. Es sollte eine neue Verfahrenstechnik geschaffen werden.
Dieses System funktionierte im Prinzip, wie Produkte des später gegründeten Apple - Konzerns. Als verschlossene Plattform schützte es sich offensiv vor An- und Übergriffen von außen. Ein Baustein dafür war der als Mauer bekannte steinerne Schutzwall. Er schob sich sukzessive um das kleine Land.
Sein sichtbares Erscheinungsbild zeigte sich in verschiedenen Designs. Auf der westlichen Seite gaben groß angelegte Free-Wallpaperaktionen hoffnungsvollen Künstlern Raum. Sie tapezierten ihn konsequent in schrillen Farbtönen und Botschaften. Der russisch-deutsche Standpunkt übte sich hingegen in betongrauer Genügsamkeit.
Zumindest an dieser Stelle schien sich das neue ostdeutsche System, erfolgreich durchzusetzen. Seine 17 Millionen Kunden lebten 28 Jahre und drei Monate in propagierter Abgeschiedenheit und Harmonie. Sie konsumierten umgeben von Schutztrojanern. Im Jargon des Landes wurden sie auch IM’s genannt.
Eines der trojanischen Zugpferde der ehemaligen Ostzone war Heinz Unke. Seine tief verwurzelten Überzeugungen bescherten ihm in 28 Lebensjahren den militärischen Rang eines Majors. Sein Arbeitsplatz war die Firewall für die Betriebssicherheit des Systems. Mutigere Gemüter brachten den Mut zur Abkürzung MfS auf.
Nach fast drei Jahrzehnten kam es zu einem Wechsel an der Führungsspitze. Große Teile der Mauern wurden gnadenlos eingerissen. Die entstandenen Brocken fungieren heute als Erinnerungsstücke. Sie dienen mahnend als Briefbeschwerer oder als politische Geschenke.
Aber was änderte sich für die Menschen, die dieses System bedienten? Was geschah mit Personen wie Heinz Unke? Das Betriebssystem erlag einem substanziellen Umbau. Äußerst potente Virenscanner filterten die ehemaligen Hardliner heraus. Vielfach mit großem Erfolg. Doch entwickelten sich in eben solchem Maße freie Radikale. Heinz Unke tauchte mit seiner überarbeiteten Legende für 25 Jahre unter. Dann begann er, mit satirisch, humoristischen Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.
Er fand für sich selbst die Figur des Bösewichtes am geeignetsten. Wann immer ein Finger für eine Wunde gesucht wurde. Er war sofort zur Stelle, um sie weiter aufzubohren. In seinen zwei bisher bekannten Rollen präsentierte er enorme Wandlungsfähigkeit. Gelernt ist gelernt, sagt sich das erfolgsgewöhnte Kind der Wende. Neuerdings besticht er ebenfalls in der Literatur mit unsagbaren Spitzfindigkeiten.
Inzwischen hat er auch erkannt, dass ständiger Wettbewerb die Produkte billiger macht. Jedoch schafft diese Liberalität für sie ebenso eine größere Breite. Unter diesem Motto agiert er derzeit von seiner Wahlheimat Berlin.
Aus dem Text von IM Auguste über HEINZ UNKE
In der Nacht des Mauerbaus geboren, fand Unke zügig seine Orientierung. Er verschrieb sich der Ausbildung des Nachwuchskaders. Auf diesem Pfad mauserte er sich bis zum Stabsoffizier des MfS. Unke kannte und verzieh keine Fehltritte.
Als nach 28 Jahren sein staatlich verordneter Schutzwall durchbrach, begegnete er der neuen Welt mit überlegenem Lächeln.
Weil er niemanden fand, den er für seine Überzeugungen anprangern konnte, nagelte er diese gekonnt an das Kreuz, der alten Zeit.
Das Spiel Unkes änderte sich. Es verlor seine Statik. Er ersetzte sie durch enorme Dynamik. Alte Kameraden mutierten zu Leidensgenossen. Einstige Feinde entwickelten sich zu Freunden.
So gelang es ihm, neue Geschichten zu erzählen. Dabei machte er es zur Gewohnheit, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. Der Schalk wurde sein ständiger Begleiter.
Wie beim Roulette hielt er seine Kugel im Spiel. Ihm war mehr als bewusst, dass die Bank zum größten Teil am Gewinn beteiligt ist.
Er wechselte so oft den Kurs, dass ihm bald die ganze Welt zu Füßen lag. Doch sein Augenmerk galt immer seiner Heimat.
Mit dem Herz auf der Zunge und der Hand am Sicherungshebel gestaltete er sie streitbar.
Die Öffnung seiner Welt gebar genug Ströme. Starke, Kriechende, Gleiche, Dreh- und Wechselströme. In seinem Erstlingswerk »Neun Grenadiere« fungierte er an der Seite AllAN GAP’s als Co-Autor. In einem zweiten Buch reflektierte er die jüngste deutsche Geschichte, in dem er sich Bukowski näherte. »Unke küsst Bukowski« ist eine Schießübung auf seine eigene Herkunft. Er übersetzte sie in die Kultur eines so anderen ... gleichen Landes.
Unke wird nie zur Ruhe kommen, solange wir ihn mit diesem Futter nähren. Nach seiner Sicht mündet die Formel zu allen Zeiten in einer Gleichung. Er hält noch immer die Bank.